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„Beim Kreuz Jesu standen seine
Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria…und Maria von Magdala“, heißt
es beim Evangelisten Johannes. Und wenige Verse später: „Am ersten Tag der
Woche kam Maria von Magdala frühmorgens…zum Grab und sah, dass der Stein vom
Grab weggenommen war.“ So beschreibt der Evangelist die zeitliche Abfolge
vom Aushalten unter dem Kreuz und der Erfahrung der Auferstehung in zwei
Schritten.
Unser Foto fasst diese beiden
zeitlich getrennten Wege in einem zusammen und kommt damit unserer
Wirklichkeit näher. Warum ist das so? Ich denke aus zwei Gründen: Wir
begehen den Karfreitag immer im Wissen um Ostern. Dieses Wissen ist
einerseits Trost, birgt andererseits aber auch die Gefahr in sich, das
Leiden und Sterben Jesu zu bagatellisieren nach dem Motto: „Es ist ja noch
mal gut gegangen.“
Doch es wird nicht Ostern ohne das
Erlösungshandeln Jesu am Karfreitag. Und das Bild kommt unserer Wirklichkeit
näher, weil Leid und Glück, Tod und Leben, immer beides zu unserem Leben
gehören. Wir sind nie ganz glücklich, wie wir auch nie ganz unglücklich
sind. Doch seit Ostern ist das Vorzeichen unseres Lebens positiv.
Seit Ostern ist die Hoffnung
stärker als die Verzweiflung. Auch zu Ostern sollen wir das Kreuz nicht
verleugnen. Denn der Blick auf das Kreuz Jesu kann helfen, die eigenen
Kreuze im Leben zu tragen, weil ich erfahre, dass ich nicht allein tragen
muss, dass Jesus mitträgt, weil auch er sein Kreuz getragen hat. Weil er das
schwerste Kreuz getragen, ertragen hat, den Tod, gibt es kein Kreuz, das ihm
fremd ist, gibt es keinen Ort, der von Gott verlassen wäre. Und nur im Blick
auf das Kreuz, auf das Dunkle, kann ich das Licht des Ostermorgens
wahrnehmen.
Wie soll ich Auferstehung feiern
ohne vom Fallen, vom Scheitern, vom Sterben zu wissen? Die Frauen gehen am
Ostermorgen zum Grab nicht in der Hoffnung auf Auferstehung, sondern um zu
trauern, weil sie nicht von dem lassen können, den sie gern gehabt haben.
Und gehen dabei ins Licht dessen, der sie liebt. Trotz Ostern stehen wir –
wie auf dem Foto – immer noch unter dem Kreuz, doch seit Ostern stehen wir
dort auch im Licht. Das ist ein großes Glück.
Im Namen aller Seelsorgerinnen und
Seelsorger auf den Südhöhen möchte ich Ihnen ein frohes und gesegnetes
Osterfest wünschen.
Winfried
Breidenbach, Pfr. |